Co-Patronin Eu

Am 1.10.1999 wurde die hl. Birgitta zur Co-Patronin Europas erklärt.
Obwohl bereits seit längerer Zeit darüber gesprochen wurde, kam die Nachricht, dass die hl. Birgitta zur Schutzpatronin Europas erklärt wurde, für uns hier in Vadstena ziemlich überraschend und früher als erwartet.

Zeichnung: Die hl. Birgitta und Europa


Wir sind stolz und glücklich darüber, dass unsere heilige Mutter Birgitta (geboren um 1303, gestorben am 23. Juli 1373 in Rom, heiliggesprochen am 7. Oktober 1391) als Fürsprecherin und Vorbild für alle Christen in Europa auserwählt wurde. Sie teilt diese Ehre mit zwei weiteren Frauen. Da wäre zum einen die hl. Katharina von Siena (geboren um 1347, gestorben am 29.4.1380, heiliggesprochen am 29. Juni 1461), eine italienischen Dominikanerin und Zeitgenössin Birgittas, die - wie Birgitta - eifrig für die Rückkehr des Papstes aus dem Exil in Avignon nach Rom kämpfte. Dritte im Bunde ist die hl. Theresia Benedicta vom Kreuz, besser bekannt als Edith Stein (12.10.1891-9.8.1942, heiliggesprochen am 11.10.1998), eine deutsche Jüdin, die sich zum christlichen Glauben bekehrte, Karmeliternonne wurde und während des Zweiten Weltkriegs im Konzentrationslager starb.

Diese drei Frauen haben in ihrer jeweiligen Lebenszeit viel bewegt und haben uns auch heute noch viel zu sagen. Birgitta und Katharina hatten beide Erscheinungen, die sie aufschrieben und so für die Nachwelt erhielten. Edith Stein begann ihre Laufbahn als Philosophin. Sie war Schülerin des berühmten Professors E. Husserl.

Diese Frauen haben einiges gemeinsam: Zuallererst waren sie Frauen. Wir sehen ihre Nominierung als ein Engagement für die Würde der Frau. Außerdem verbindet sie ihre Sorge um die Kirche, ihr Verlangen nach innerer Einkehr und das Wissen um die Bedeutung des Todes Christi am Kreuz. Darüber hinaus waren sie große Mystikerinnen, die bestrebt waren, den Wert eines Lebens in Wahrheit herauszustellen.

Selbstverständlich ist dies alles für uns eine große Ehre, allerdings nicht nur für unser Kloster und unseren Orden, sondern auch für Vadstena und für unser Land, dass nun auch Schweden, Birgittas eigenem Heimatland, dieser Respekt gezollt wird. Natürlich kann man noch wenig darüber sagen, wie sich dies konkret auswirken wird. Wir hoffen jedoch, dass diese Nominierung ein größeres Interesse für die Erforschung der Schriften Birgittas und ihres Ordens weckt. In dieser Hinsicht gibt es noch genug zu tun. Allerdings rechnen wir jetzt schon mit einem Zuwachs an Touristen oder - und das interessiert uns eigentlich viel mehr - Wallfahrten. Auch die Medien werden sich jetzt wohl mehr für Schweden und Vadstena interessieren. Wir hoffe, dass die Menschen dazu inspiriert werden, den Charakter und die Tugenden dieser neuen Schutzpatroninnen zu studieren.

Wir sind dankbar dafür, dass nach den bisherigen europäischen Schutzpatronen, dem hl. Benedikt, Vater des Klosterlebens (gest. am 11.6.547), dem heiligen Mönch Kyrillos (826-869) und seinem Bruder, dem hl. Bischof Methodius (815-885) von Thessalonich, nunmehr drei Frauen zu Schutzpatroninnen Europas bestellt wurden. Die hl. Birgitta sah in der Ordensregel vor, dass Männer und Frauen sich gemeinsam ergänzen und als große klösterliche Familie in zwei getrennten Gebäuden nebeneinander leben sollten. Ihr Leben sollte so sein wie das Leben der Jungfrau Maria, als sie gemeinsam mit den Jüngern im Gebet verharrte und das Kommen des Heiligen Geistes am Pfingsttag erwartete.

Bemerkenswert ist zudem, dass die hl. Birgitta zwei Berufungen hatte. Zunächst war sie die Mutter von acht Kindern und führte eine glückliche Ehe. Später, als die Kinder groß waren und sie Witwe wurde, fühlte sie sich frei, sich ihrer zweiten Berufung hinzugeben: dem Leben einer kontemplativen Frau, die vom Herrn berufen wurde, einen neuen Orden zu gründen. Allerdings hat sie die Gründung und Einweihung des Klosters in Vadstena nie miterlebt, obwohl sie diese detailliert beschreibt. Auch die Ordenskleidung, die sie so ausführlich beschreibt, hat sie nie getragen. Sie verließ Schweden im Jahre 1349, um das Heilige Jahr (1350) in Rom zu verbringen, kehrte jedoch nie mehr zurück. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1373 blieb sie in Rom.

In Vadstena haben wir Nonnen dieses große Ereignis mit einer Prozession gefeiert, die zum Reliquienschrein der hl. Brigitta führte. Dieser Schrein befindet sich in unserer ehemaligen Kirche gegenüber dem neuen Kloster, in dem wir leben. Wir haben Blumen niedergelegt, eine große Kerze angezündet, im Gebet für das Leben und das Werk der hl. Birgitta Dank gesagt und für die Zukunft unseres Ordens in Europa gebetet.

1. Oktober 1999
Sankta Birgittas Kloster Pax Mariae Vadstena, Schweden
Mutter M. Karin, O.Ss.S.
Äbtissin